408 Tonnen auf dem Weg nach oben

Reussbrücke, Mellingen

Die Reussbrücke in Mellingen wird diesen Sommer zum Schauplatz eines aussergewöhnlichen Ingenieureinsatzes. Für die bevorstehende Instandsetzung wird das knapp 100 Jahre alte, 408 Tonnen schwere Bauwerk zunächst um 2,6 Meter angehoben.

Im Jahr 1928 ersetzte die Stahlbauunternehmung Zschokke die damalige Holzbrücke durch eine Stahlbrücke. Für die damalige Zeit war dies eine technische Pionierleistung: Erstmals wurde anstelle einer fachwerkartigen Stahlkonstruktion eine Brücke mit vollwandigen Hauptlängsträgern realisiert. Heute – knapp 100 Jahre später – muss das denkmalgeschützte Bauwerk umfassend instandgesetzt werden.

Bereits bei einer Sanierung im Jahr 1987 wurde erkannt, dass eine grundlegende Erneuerung notwendig sein würde. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung der Reussbrücke konnte diese jedoch damals nicht umgesetzt werden. Erst mit der Eröffnung der Umfahrung Mellingen und der neuen Reussbrücke im Jahr 2023 entstand die Voraussetzung für das notwendige Instandsetzungsprojekt.

408 Tonnen heben ab
Für die Sanierungsarbeiten muss die gesamte Brücke mit einem Hängegerüst versehen und vollständig eingehaust werden, damit der bestehende Korrosionsschutz ersetzt werden kann. Damit auch während der Bauzeit das Freibord gewährleistet bleibt, musste die Brücke zunächst angehoben werden.

Mit vier Hydraulikpressen, jeweils einer pro Brückenlager, wurde die insgesamt 408 Tonnen schwere Konstruktion mithilfe eines Synchronhubsystems Schritt für Schritt angehoben. Gleichzeitig entstanden unter der Brücke vier provisorische Türme aus Stapelelementen, die von den Arbeitern schlicht «Brötli» genannt werden.

Nach einem ersten Hub von rund 20 Zentimetern wurden die Brückenlager ausgebaut, die ebenfalls instandgesetzt werden. In den darauffolgenden anderthalb Tagen stapelten die Arbeiter die jeweils 25 Kilogramm schweren «Brötli» unter die Brücke, bis am 7. Juli 2026 die vorgesehene Hublage von 2,6 Metern erreicht war.

Neue Lager und höhere Endlage
Als Nächstes wird ein provisorischer Stahlrahmen mit temporären Lagern eingebaut. Auf dieser Konstruktion bleibt die Reussbrücke während der gesamten Sanierungsarbeiten abgestützt.

Nach Abschluss der Instandsetzung wird die Brücke nicht mehr auf ihre ursprüngliche Höhe abgesenkt, sondern dauerhaft rund 40 Zentimeter höher gelagert. Damit erfüllt das Bauwerk künftig die heutigen Anforderungen an den Hochwasserschutz.

Der Kanton Aargau hat Bänziger Partner mit der Ausschreibung und Bauleitung dieser technisch äusserst anspruchsvollen Arbeiten beauftragt. Wir danken für das entgegengebrachte Vertrauen.


Bauherrschaft: Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kanton Aargau
Projektverfasser: dsp Ingenieure + Planer AG
Bauleitung: Bänziger Partner AG
Bauunternehmung: Cellere Bau AG
Hebearbeiten: HEBAG AG

 
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